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Odyssee IDP
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>

Dies ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Es ist der persönliche und subjektive Bericht über ein interdisziplinäres Projekt im Nebenfach Wirtschaft, das neun ahnungslose Studenten am Lehrstuhl Reichwald durchgeführt haben. Die Verantwortung für den Artikel übernehme ich ganz alleine, keiner der anderen war an dem Bericht beteiligt, er stellt also nicht zwingend deren Meinung dar. Es mag ein unsachliches, sarkastisches Pamphlet sein, aber vielleicht hilft es denjenigen bei der Entscheidung, die noch vorhaben ein IDP zu machen, dies doch nicht an diesem Lehrstuhl zu tun.

Wirtschaft als Nebenfach zu nehmen war bei mir von Anfang an keine Frage des Geschmacks, sondern etwas womit ich später im Leben mehr anfangen könnte. Das IDP war jedoch das Fass, das den Tropfen zum Überlaufen gebracht hat und mich dazu bewogen hat, noch in meinem 'hohen' Alter, das Nebenfach zu wechseln. Na, neugierig? Dann lest weiter...

Und so beginnt es...

"Ein IDP ersetzt dir den größten Teil deines Nebenfachs. Vorlesungen hast du auch noch nicht gehört. Und du kommst bald ins 8. Semester. Also mach dich auf die Suche." So in etwa klang mein Gedankengang, als ich auf die Stimmen hörte. Ein Studienkollege hörte von meiner Suche und machte mich auf ein Projekt aufmerksam, das vom Lehrstuhl Reichwald angeboten wurde. mPolice -- eine Projektstudie zur Einführung von mobilen Endgeräten bei der Polizei Oberbayern. Klang sehr interessant.

Und so bewarb ich mich zusammen mit 14 anderen Studierenden um die unerwartet zahlreichen 10 Plätze. Das war ziemlich ungewöhnlich, sind doch bei IDPs die Anzahl der Bearbeiter laut Prüfungsordnung auf maximal drei begrenzt. Für die Bewerbung waren Lebenslauf und Zeugnisse allein nicht ausreichend, es fand Anfang Februar ein ganztätiges, obligatorisches Auswahlverfahren bei Siemens (der ideale Kooperationspartner aus der Industrie) statt, ganz im Stile eines Assessment Centers. Ich fand das eher ungewöhnlich -- von so etwas hatte ich noch bei keinem anderen Projekt gehört. Für die vier, die bei den etwas undurchsichtigen Bewertungskriterien aus den Einzel- und Gruppengesprächen gefallen sind, war hier erstmal Endstation -- ex post beneide ich sie etwas um ihr Glück.

Also blieben nur noch zehn, äh, neun übrig, denn einer hatte es sich kurzfristig doch noch anders überlegt. Zwei von uns waren Studenten des MBA-Aufbaustudiengangs. Diese bunte und sehr internationale Mischung hieß ArzuErikEwgenyFlorianHeikeMarcelChristianChristophUndChris oder kurz, das mPolice-Team. Und auf der anderen Seite des Rings befanden sich die Betreuer Bernhard Schätz und Chris Salzmann von der Informatik sowie Michael Ney und Michael Wagner vom Lehrstuhl AIB. Weil es sich ja um ein interdisziplinäres Projekt handelt und man ja die wirtschaftlichen Aspekte mit der IT-Seite verbinden sollte, aber ob uns das gelingen sollte?

Nach einer Reihe von Vorbesprechungen (genannt Projekt-KickOff) und Vorvorbesprechungen (auch Projekt-KickOff genannt) sowie eines sinnlosen ganztägigen Seminars bei Siemens über Projektmanagement, begannen wir also am 1. März mit unserer Arbeit... Halt! Beinahe hätte ich vergessen zu erwähnen, dass wir für unsere Arbeit, dessen Zeitrahmen mit allen Jour Fixes bereits sehr detailreich ausgearbeitet war, nur 6 (sechs) SemesterWochenStunden der für das Nebenfach erforderlichen zwölf SWS bekommen würden. Obschon die Betreuer zugaben, dass es bei diesem Projekt deutlich mehr zu tun geben würde als bei üblichen IDPs, gab es an dieser kategorischen und gottgegebenen Regelung nichts zu rütteln. Zwei derjenigen, die bei der Teamauswahl abgelehnt wurden, hatten inzwischen ein anderes IDP gefunden -- und bekamen dafür 8 SWS. An einem dritten, meist unbeachteten Lehrstuhl gab es sogar 10 SWS für noch weniger Arbeit. Seufz. Aber unseres würde interessanter sein.

Aber wenigstens sollten wir uns zwei von drei zu besuchenden Vorlesungen selbst aussuchen können -- die im IDP-Anmeldeformular dafür vorgesehenen Felder blieben leer, als wir diese am 1. März unterschrieben. Unterschrieben haben wir auch einen schönen Praktikumsvertrag bei Siemens, der uns monatlich eine motivierende Lohnabrechnung über EUR 0,00 bescherte. Und unterschrieben wurde, wenn auch nicht von uns, ein Kooperationsvertrag mit Siemens, der z.B. die Bereitstellung von Infrastruktur regelte (Handys, PDAs, Laptops, Internetanschluss, etc.).

Ich erwähnte oben den Zeitplan: Am 19. Juli --so wurde es festgelegt-- würde alles vorbei sein, komme was wolle. Und es kam...

Kompetenter Industriepartner?

Okay, aber jetzt konnten wir an die Arbeit; schließlich hatten wir von Siemens in Neuperlach extra einen Projektraum zur Verfügung gestellt bekommen, mit Fenstern, Wänden und sogar einer Tür. Oh, aber noch kein Rechner da mit Netzanschluss? Egal, würde schon noch kommen. Irgendwann stand tatsächlich ein Rechner aus der Zeit der Wiedervereinigung im Raum. Nur konnte man von Vereinigung nicht gerade sprechen, wurde der Rechner kurzerhand aus herumliegenden Restposten zusammengeschraubt und funktionierte erwartungsgemäß, trotz gutem Zureden nicht. Selbst die kompetentesten Informatiker konnten die SCSI-Karte nicht zum Laufen bekommen. Und Linux bootete nicht hoch, weil 32MB halt doch zu wenig RAM war. Wir bekamen einen 'neuen' 128MB Speicherriegel, aber der lief nicht. Die Maus war defekt, das VGA-Kabel brüchig.

Am 9. April bekamen wir einen anderen Rechner. Ich sage bewusst nicht neu. Machen wir's kurz: Siemens hatte es nicht geschafft, uns einen lauffähigen Rechner hinzustellen, geschweige denn zu installieren. Kurzerhand haben wir von der Informatik einen bekommen und Ende April hatten wir dann tatsächlich einen Arbeitsrechner in unserem Projektraum, zwei Monate nach dem Projekt-KickOff. Einen Zugang zum Internet haben wir allerdings nie bekommen.

Dafür wurden von Siemens Mitte März vier nagelneue Laptops beantragt. Natürlich dauert das seine Zeit, und als wir mit unseren Interviews bei der Polizei anfingen (14. April), waren die noch nicht eingetroffen (ob sie überhaupt irgendwann eingetroffen sind, haben wir nie erfahren). Darum wurde provisorisch bei Siemens in allen Abteilungen herumgefragt, ob nicht noch abkömmliche Notebooks herumstehen. Die fette Beute: drei langsame, Kaffeepausen-erzwingende Laptops ohne Netzwerkkarten. Besser als nichts.

Kann ja mal passieren, oder? Immerhin wurden uns drei Objekte unserer Begierde bzw. Untersuchung, PDAs mit der Bezeichnung SX45 von Siemens zur Verfügung gestellt. Es war zwar keine Demonstrationssoftware drauf, aber damit konnten die befragten Polizisten schonmal einen groben Eindruck bekommen, um was es geht. Telefonieren hätte man damit auch können sollen, nur fehlten die Headsets oder die nach langem hin und her bereitgestellte (Singular!) SIM-Karte war defekt.

Richtig schwierig war es, unsere Reisekosten und anderen Auslagen wieder einzutreiben. Wir haben nur zwei Sammelrechnungen gestellt, die erste davon wurde erst nach Wochen beglichen, die zweite, mehrere hundert Euro, stehen noch aus (21. September).

Wenigstens hatten wir einen Projektraum. Getränke waren zwar rar und feste Nahrung mussten wir uns selbst besorgen, aber nachdem wir eh lieber in unserem alternativen Raum am Stammgelände unsere Sitzungen abhielten, war das nicht so schlimm. Zumindest bis zum 20.~Juni, danach ist der Raum der Renovierung zum Opfer gefallen, ein Ersatz war für den verbleibenden Monat nicht vorgesehen.

Ach ja, das Essen in der Kantine war sehr gut, wenn wir denn mal dorthin eingeladen wurden. Aber das allein reicht mir nicht aus, um mein Bild von Siemens zu entkräften, dass ich lieber einen Job als Toilettenreinungsfachkraft annehmen würde, als dort zu arbeiten.

Polizeiarbeit

Kommen wir nun wirklich zur Arbeit, die wir getan haben. Oooops, wir hatten einiges an Verzögerungen, da die Polizei doch nicht ganz so flexibel von der Terminplanung war (was bei der Projektplanung nicht ganz so berücksichtigt wurde). Termine brauchten wir vor allem für unsere 13 Interviews, die wir vor Ort in den Polizeidienststellen in Traunstein, Rosenheim und Ruhpolding durchgeführt haben. Dabei ging schon öfters mal ein ganzer Tag drauf, teilweise an Wochenenden. Und das für sechs SemesterWochenStunden!

Kurz vor Schluss waren es dann etwa fünf Wochen Verzug, die wir irgendwie kompensieren mussten. Unsere letzten Ergebnisse bekamen wir etwa am 20. Juni (sehen wir mal von den Fragebögen ab, die erst nach dem 8. Juli eintrafen) -- nicht mehr viel Zeit für die Auswertung, die Ausarbeitung und Abschlusspräsentation.

Und trotzdem: Die Arbeit mit der Polizei war das Beste am ganzen IDP. Die angenehme Atmosphäre, das freundliche Entgegenkommen und die Einblicke, die wir in die Polizeiarbeit bekommen haben, waren einzigartig. So etwas erlebt man in anderen Uniprojekten kaum. Hier nochmal ein herzliches Dankeschön an Herrn Höck von der Polizei Oberbayern und 'seine' Crew.

Interdisziplinär?

Ja, aber war denn unsere Arbeit wenigstens interdisziplinär? Konnte man die Informatik mit der Wirtschaft verbinden? Im Grunde genommen war es ein reines BWL-Projekt, nur eine theoretische Vorstudie. Implementiert wurde überhaupt nichts. Der einzige Kontakt zur Informatik waren die technischen Fragen zu den Machbarkeiten und der Umsetzung. Und bei der späteren Benotung hatten die Betreuer der Informatik auch nichts mitzureden.

mBiergarten
Das mPolice Team nach getaner Arbeit (Foto: Christoph Kern)

Zeitaufwand

Kurz nach Beginn des Projekts hörten ich und einige andere auch auf, in Vorlesungen zu gehen. Es war zeitlich einfach nicht mehr möglich: Mit all den Interviewterminen, einberaumten Teammeetings, Jour Fixes, Auswertungen, Protokollanfertigungen, Präsentationsvorbereitungen und Ausarbeitungsschreiben blieb für ein geregeltes Studium kein Platz mehr. Nicht einmal mehr für die Wirtschaftsvorlesungen, die wir obligatorisch hätten hören sollen. In der Endphase haben einige von uns mehrere Nächte durchgearbeitet. Über den ganzen Zeitraum gemittelt wären wir wohl auf so etwa 13 bis 14 SWS gekommen.

Innerhalb von 5 Tagen hatten wir damals unsere erste alpha-Version der Ausarbeitung aus dem Boden gestampft: Etwa 86 Seiten verteilt auf neun Teammitglieder. Was das für einen logistischen Aufwand erfordert, auch beim Zusammenfügen der Einzelteile zu einem Ganzen, sei hier nicht näher erläutert.

Für die Ausarbeitung überzogen wir den Termin 19. Juli nochmal um eine weitere Woche, in der wir die Ausarbeitung auf etwa 260 Seiten aufblähten.

Betreuung

Wir stiegen ein ins Projekt, die Betreuer stiegen aus: Denn gerade in der Zeit um Pfingsten und Ostern gings dann schon öfters mal in den Urlaub oder auf Dienstreise, gerade wenn wir wichtige Fragen hatten, die beantwortet werden wollten. Es wurde wohl davon ausgegangen, dass ein IDP mit neun Leuten genauso viel Aufwand und Betreuung benötigt wie eines mit zwei. Tja, das war dann wohl ein Griff ins Klo.

Ich weiß, PDAs sind ne tolle Sache, aber muss man deswegen bei unseren Vorträgen aufgrund von Desinteresse dauernd damit herumspielen?

Besonders beim Lehrstuhl AIB wurden viele E-Mails ignoriert oder erst sehr spät beantwortet. Sehr angebracht war das z.B. in der Endphase, als wir eine ganz konkrete wirtschaftliche Frage stellten und nach ein paar Tagen erst die Antwort bekamen, dass wir doch bitte in diesen und jenen Büchern nachsehen sollen, was deutlich hilfreich war.

Überhaupt haben die beiden Michaels meines Erachtens sich in E-Mails öfters im Ton vergriffen; entsprechend schallte es dann auch aus dem Wald hinaus. Die Kritik wurde dann angehört und ebenso aufgenommen wie ein Schwamm es mit Hinkelsteinen eben nicht tut (dies ist keine Unterstellung, die Betreuer würden an einer bestimmten Prionenkrankheit leiden).

Kritik zur mangelnden Transparenz wurde auch schon zu Beginn des Projekts geäußert: Vieles wurde im Hintergrund ohne unser Wissen besprochen und wir dann vor vollendete Tatsachen gestellt. Leider hat sich das bis zum Projektende nicht großartig verändert. Über die Motivation der einzelnen Gruppen (AIB, Siemens, Polizei) herrschte lange Zeit Konfusion und die Erkenntnisse waren demotivierend und ernüchternd.

Sogar bei der späteren Erstellung der Praktikumszeugnisse durch Siemens (die teilweise ziemlich unfair waren und deren Bewertungsgrundlagen für uns bis heute schleierhaft sind), will der Lehrstuhl AIB nicht mitgewirkt haben, obwohl uns anderslautende, schriftliche Aussagen vorliegen.

Zum Glück gab es ja noch Bernhard Schätz von der Informatik, der das ganze Projekt noch mit seiner Rede- und Kommunikationskunst mehrfach gerettet hat. Die beiden Michaels haben am 9. Juli eine "außerordentliche Krisensitzung" einberufen, als Reaktion auf unsere oben erwähnte alpha-Version der Ausarbeitung, die in "keinster Weise die formalen Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit" erfülle (was aus den Korrekturen von Bernhard nicht hervorging). Bei dieser Sitzung waren mehrere von uns schon kurz davor, alles hinzuschmeißen. Denn die vorangegangene Mail stellte uns ziemlich deutlich als Deppen hin (auch wenn das von M&M vielleicht nicht so beabsichtigt war: es kam so rüber). Es wurde auch klar, dass BWLer und Informatiker eine ganz andere Vorstellung von wissenschaftlichem Arbeiten besitzen.

Neben dem Nervenzusammenbruch eines Teammembers (kein Scherz!), war auch Bernhards Überraschung sehr groß, als von M&M die Aussage kam, dass unser wirtschaftliches Instrumentarium für die Analyse, die erweiterte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung (EWB), eigentlich keine ex ante-Analyse, sondern ein ex post-Betrachtung ist. Für die Nicht-BWLer unter euch: Das ist, als ob man über mehrere Monate hinweg relativ erfolglos versucht ein Gehäuse aufzuschrauben, und erst hinterher erfährt, dass die Schrauben nur von innen gelöst werden können. Fantastisch: Nur wenige Tage vor Abgabe der Abschlussarbeit (eigentlich wollten wir sie ja zur Präsentation mit ausliefern), erfährt man, dass einem wichtige Informationen absichtlich vorenthalten worden sind. Denn M&M haben uns damals in einem Vortrag die EWB vorgestellt -- diesen Ansatz der EWB haben wir dann ein halbes Dutzend Mal in eigenen Präsentationen wiedergegeben. Nie wurde auch nur ein Wort darüber verloren, dass das im Grunde genommen falsch war.

Vendetta

Auf eben jener Sitzung kündigte ich bereits an, dass ich mir ernsthaft überlege, das Nebenfach zu wechseln, worauf Michael Ney meinte, dass dies wohl nicht mehr ginge, weil ich ja bereits angemeldet sei und die Unterlagen seit einiger Zeit beim Prüfungsamt liegen würden. Gleichzeitig betonte ich aber ausdrücklich, dass ich in jedem Fall das Projekt für das Team zu Ende führen würde.

Nichtsdestotrotz vereinbarte ich mit Herrn Herzog einen Termin für den 16. Juli, um über meine Möglichkeiten zu sprechen. Wir waren beide sehr überrascht, als wir feststellen mussten, dass die IDP-Anmeldung gerade erst an diesem Tag eingegangen war (unterschrieben wurde das Dokument bereits am 1. März). Aber damit hörte die Überraschung nicht auf: Die Zeilen, die leer waren, als wir das Dokument unterschrieben haben und die für die Vorlesungen gedacht waren, über die wir uns hätten prüfen lassen sollen, waren von jemandem ausgefüllt worden (ohne Rücksprache). Ich glaube, das erfüllt den Tatbestand StGB §267, Absatz 1, Urkundenfälschung. Herr Herzog empfahl mir, wenn ich denn mein Nebenfach wechseln wolle, dann müsse ich die Annullierung der Anmeldung möglichst zeitnah einreichen. Mir war es damit inzwischen so ernst, dass ich dafür sogar in Kauf nahm, selbst das Vordiplom nachzuholen.

Also reichte ich am 17. Juli, zwei Tage vor der Abschlusspräsentation und damit dem erfolgreichen Ende des Projekts, meine Annullierung ein und schrieb dazu dann eine private Mail an die drei Betreuer (Bernhard, M&M). Daraufhin ereilte unser Team-Verteiler eine Mail von Michael Ney, die meine ursprüngliche private Mail im Anhang enthielt. In dieser beschrieb er meinen Ausstieg und unterstellte mir eine "innerliche Verabschiedung" und bat das Team, sich zu überlegen, ob nicht jemand anderes meinen Teil der Präsentation übernehmen möchte. Als daraufhin das Team meinte, dass sie doch möchten, dass ich weiterhin meinen Vortrag halte (weil ich auch keinen Grund sah, warum ich das nicht tun sollte), gab es einen Anruf, in dem versucht wurde zu erläutern, dass "ob nicht ein anderes Mitglied den wichtigen Endteil mit Fazit von Chris Hodges übernehmen sollte", keine Option darstellte (da seht ihr mal, mit welchen Kommunikationsproblemen wir ständig zu kämpfen hatten), sondern obligatorisch sei, da ich aus formalen Gründen keinen Vortrag halten, ja nicht einmal anwesend sein durfte. Sogar mein Name müsse aus der Abschlusspräsentation und der Ausarbeitung entfernt werden, da ich nie Mitglied des Teams war.

Da ging mir kurzerhand der Hut hoch. Ich schrieb eine ziemlich direkte, ziemlich emotionale und unsachliche und deswegen private Mail an Herrn Ney, was ich von seiner unverschämten Unterstellung hielt, ich hätte mich innerlich verabschiedet und seinen pathetischen Versuchen, mich aus dem Team auszugrenzen. Am nächsten Morgen telefonierte ich über eine Stunde mit eben jenem, ohne irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Ich warnte ihn aber ausdrücklich, dass er nicht nochmals private Mails ohne Zustimmung veröffentlichen durfte.

Entgegen dem Urteil des Bundesgerichtshofs für Zivilsachen 13,334 wurde am Donnerstag Abend eben doch diese Mail veröffentlicht und mir aufgrund dieser (jetzt waren es also plötzlich nicht mehr irgendwelchen formalen Gründe?) ausdrücklich verboten, zur Präsentation zu erscheinen, um "einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen". Es wurde noch geraten, dass das Team sicherstellt, "dass die Situation am Freitag nicht eskaliert."

Warum versucht man, jemanden so zwanghaft und mit allen Mitteln von der Präsentation fernzuhalten? Weil man sonst evtl. in Erklärungsnot gegenüber Herrn Prof. Reichwald kommt? Weil dieser von dem Versagen der Betreuer erfahren könnte?

Der letzte Tag

Ich ging trotzdem hin; schließlich fand die Präsentation bei der Polizei statt und die wollten, dass ich dabei bin. Herr Ney kam sehr pünktlich. Ich habe das Gefühl, dass viele BWLer (ich kenne allerdings nicht soooo viele) etwas opportunistisch und verlogen zu sein scheinen. Aber urteilt selbst: In seiner Einführungsrede erzählte er dem Publikum, wie toll er es fände, dass das vollständige Team hier sei, sogar jemand, der sein Nebenfach gewechselt hatte, aber trotzdem dabei sein wollte. Meinen Vortrag konnte ich leider dennoch nicht halten.

Mit Prof. Reichwald sprach ich auch kurz (übrigens das einzige Mal, dass wir ihn zu Gesicht bekommen haben): Wie es denn sei, ob man wirklich meinen Namen aus dem Abschlussbericht entfernen müsse? Er meinte, dass es kein Problem darstelle, wenn mein Name weiterhin dort erwähnt würde. Er sicherte mir sogar eine Teilnahmebestätigung am Projekt zu, da ich ja sonst nichts davon gehabt hätte.

Nichtsdestotrotz konnte ich später im Korrekturexemplar sehen, wie Herr Ney wohl mit einem großen Maß an Genugtuung (ich unterstelle ihm dabei keinerlei körperlicher Erregung) meinen Namen und mein Foto durchgestrichen haben musste und fett daneben schrieb: "Kein Mitglied des Teams!". Möchte mir Herr Ney etwa UrhG §13, Anerkennung der Urheberschaft, strittig machen?

Jedenfalls war die Präsentation für das Team ein voller Erfolg! Die Polizei war begeistert und auch Siemens schien zufrieden. Wenigstens etwas.

Alles wird gut...

...lautete das Motto der Betreuer des Lehrstuhls AIB. Und zwar wortwörtlich. Denn trotz unseres immensen Einsatzes war ihnen das IDP nur ein 'gut' wert. Da spielte es keine Rolle, dass wir fünf Wochen im Verzug waren und sich das Sammeln der Ergebnisse hinzog. Zum Glück müssen die verbleibenden sechs Informatiker nur noch eine mündliche Prüfung ablegen (am besten innerhalb des nächsten halben Jahres, man könne die nötigen Vorlesungen ja auch aus dem Skript lernen -- huch, sind zwei jetzt doch für knapp ein Jahr im Ausland? Na was machen wir denn da?), dann haben sie ihr Nebenfach abgeschlossen. Meines Erachtens hätte man sich das IDP dann aber sparen können, denn es wird in eben dieser Prüfung sowieso breites BWL Wissen abverlangt. Irgendwie dumm gelaufen, oder?

Fazit

Es ist schade, dass einige Mitarbeiter den gar nicht so schlechten Ruf des Lehrstuhls AIB herunterziehen mit ihrer mangelnden Kenntnis der Humansituation, fehlender sozialer Kompetenz und chaotischem Projektmanagement. Und wenn nicht jemand darüber schriebe, der die Freiheit hätte, an diesem Lehrstuhl keine Prüfung mehr machen zu müssen, würde Prof. Reichwald, als derjenige, der dies positiv beeinflussen könnte, wohl nie davon erfahren.

Natürlich hätten wir auch einiges besser machen können. So hätten wir uns rechtzeitig in die Literatur einlesen können, um damit nicht abhängig von falschen oder unvollständigen Informationen der AIBler zu sein, die uns dann in unserem Abschlussbericht angekreidet wurden. Andererseits haben wir auch nicht mit Kritik während des Projekts gespart. Vieles hätte anders laufen können, wäre sie nicht einfach aufgrund (möglicherweise wachsender gegenseitiger?) Respektlosigkeit und Arroganz ignoriert worden.

Und auch, wenn ich formell vom IDP zurückgetreten bin (was m.E. eine legitime und zu akzeptierende Entscheidung war), hätte man das sicher für beide Seiten in einer Art und Weise regeln können, ohne die Sache derart eskalieren zu lassen. Dazu bedarf es aber einem gewissen Maß an sozialer Kompetenz, das leider nicht zum Standardrepartoire gehört.

Wie dem auch sei, wir waren ein Team, das zueinander gehalten hat. Das Projekt war anstrengend, hat aber viel Erfahrung mit sich gebracht. Und Menschenkenntnis. Ja, und über BWLer auch.

Es war ein verschwendetes halbes Jahr für mich, in dem ich auch mein schon überfälliges SEP hätte fertigstellen können. Oder Vorlesungen hören, die es nur einmal für lange Zeit geben würde. Oder Beziehungen pflegen, mit Frauen flirten, oder einfach nur den Sommer genießen. Oder ein anderes lohnenswertes IDP an einem anderen Lehrstuhl. Dann hätte ich mich aber nicht zum längst überfälligen Wechsel meines Nebenfachs durchgerungen.

Ich wünsche euch viel Erfolg in eurem Studium und tut das, was euch Spaß macht, nicht das, was sich später gut im Diplom-Zeugnis macht.

Chrisly


Und zum Abschluss...

Ein Mann in einem Heißluftballon hat sich verirrt. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft: "Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen und ich weiß nicht wo ich bin."

Die Frau am Boden antwortet: "Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 Meter Höhe über Grund. Sie befinden sich zwischen 40 und 41 Grad nördlicher Breite und zwischen 59 und 60 Grad westlicher Länge."

"Sie müssen Informatikerin sein", sagt der Ballonfahrer.

"Bin ich", antwortet die Frau, "woher wussten sie das?"

"Nun," sagt der Ballonfahrer, "alles was Sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert."

Die Frau antwortet: "Sie müssen ein BWLer sein."

"Ja,", antwortet der Ballonfahrer, "aber woher wussten sie das?"

"Nun,", sagt die Frau, "Sie wissen weder, wo Sie sind, noch, wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass Sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie in exakt der gleichen Lage sind wie vor unserem Treffen, aber jetzt bin irgendwie ich schuld!"

©1997-2009 Chris Hodges. Last time updated on 02-Jun-09 12:13:25. Legal disclaimer, imprint.