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Angefragt bei Chris Hodges (Interview Amiga Future #37)
Cord Hagen <CordHagen@as-x.de> / Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>

AF: Hallo Chris, - magst Du Dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen? Für welchen Bereich bist Du bei der Entwicklung der HIGHWAY und NORWAY zuständig?

CH: Hallo auch, ich bin 25 Jahre alt und studiere im 8. Semester Informatik in München. Das ist wohl die Konsequenz aus meinem ersten Computerkontakt im Jahre 1984 mit einem ZX Spectrum. Mit dem Kauf eines A500 bin ich dann 1989 Amiga User geworden. Mehr uninteressante Details gibt es auf meiner Homepage, damit will ich den Leser jetzt nicht so früh am Morgen belasten.

Ich war anfänglich nur zuständig den Norway-Treiber, den ich aufgrund der PD-Sourcen des cnet.device relativ schnell anpassen konnte. Im Moment steckt meine ganze Energie im Poseidon USB Stack und dessen Klassentreibern, für die ich das Prädikat "approved Pfuscher" bekommen habe.

AF: Wie kamst Du zu dem Projekt und seit wann arbeitest Du an der Entwicklung?

CH: Michael kenne ich seit einigen Jahren aus der Fachschaft MPI. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam (stand wohl unter Alkoholeinfluss?), dass er mir von seinem USB Projekt erzählte. Irgendwie bin ich da halt reingerutscht.

Poseidon zu schreiben war aber eher eine spontane Aktion bzw. ein Notfallplan. Zwar hatte ich im März 2001 schon mit ein wenig Softwareentwicklung für den damaligen Prototypen angefangen, aber die Entscheidung, wer die Software liefern sollte, fiel damals auf jemand anderen, also stellte ich meine Arbeit ein. Ich ging davon aus, dass der ursprünglich geplante USB Stack, als auch der AmigaOS4 Stack nicht für alle Systeme verfügbar sein würde, speziell nicht für MorphOS. Eine weitere Spaltung der Community, wie bei PUP<->WarpOS, P96<->CGFX wollte ich aber unbedingt vermeiden. Poseidon sollte eine Software für alle Systeme werden.

Mitte Februar 2002 war der Norway-Treiber fertig und ich konzentrierte mich auf die Entwicklung einer allgemeinen USB Hardware API, die gut ins AmigaOS passt. Als die erste Version des usbhighway.device fertig war, begann ich dann am 1. März mit Poseidon. Zwei Wochen später hatte ich dann meine zweite Klasse fertig und drei funktionierende USB Mäuse am Rechner. Damit besann sich Michael dann doch darauf, meinen Stack zu nehmen - das Produkt sollte ja auch langsam auf den Markt. Dummerweise gehört mehr dazu, als die reine Funktionalität zu liefern (GUI, Anleitung, Installer, Testen, etc.), wodurch es nun doch drei Monate gedauert hat.

AF: Wo lagen und liegen die größten Schwierigkeiten bei der Treiberprogrammierung, dem Amiga eine Möglichkeit zu geben, USB-Geräte zu unterstützen?

CH: Das größte Problem besteht darin, dass USB viele schöne Standards definiert, sich trotzdem leider viele Hersteller nicht an diese Spezifikationen halten. Wenn dann auch noch eigene Protokolle verwendet werden, zu denen man keine Unterlagen bekommt, sieht es schlecht aus. Aber das geht den Linux-Entwicklern genauso. Die Liste der "unusual devices" ist so lang, dass ich manchmal das Gefühl habe, es gibt mehr Ausnahmen als Regeln. Diese Workarounds müssen auch noch in die Treiber eingearbeitet werden. Und dann kommt noch dazu, dass das AmigaOS in der jetzigen Version nicht für beliebig viele Eingabegeräte vorgesehen ist.

AF: Wird es USB-Geräte geben, die sehr wahrscheinlich nie auf dem Amiga ansprechbar sind, oder ist theoretisch jedes USB-Device "Amigatauglich"?

CH: Ich glaube nicht, dass es da Grenzen gibt, außer dass manchmal die Firmware der Hardware unerklärliche Macken aufweist, wodurch ein Gerät dann nicht ansprechbar ist. Es muss Treiber für Geräte mit herstellerspezifischen Protokollen geben (aber da sind ja zumindest bei DigiCams und Scannern Drittentwickler bereits dabei). Ob allerdings z.B. eine GPS-Maus an einem stationären Computer sinnvoll ist, wage ich mal zu bezweifeln.

AF: Worauf bist Du bei der Software besonders stolz und was schwebt Dir noch als Ziel vor Augen?

CH: Stolz bin ich vor allem auf das Design und die Erweiterbarkeit. Vieles von dem, was bei anderen als "Besonderheit" gehandhabt wird, sehe ich eher als selbstverständlich. Poseidon ist so ausgelegt, dass es sich reset-fest einbinden lässt und dann bereits im Bootmenü verfügbar ist. Man soll später auch von Flash-Medien booten können. Was noch ansteht, ist eine allgemeine HumanInterfaceDevice-Klasse (Maus, Keyboards, Joysticks, Alarmanlagen, fliegende Teppiche, usw.), die dann alle HID-Geräte auf einen Schlag abdeckt -- und so viele benutzerdefinierbare Funktionalität bietet, dass den PC-Usern die Kinnladen runterfallen werden. Das ist aber noch viel Arbeit.

AF: Vielen Dank für dieses kurze Interview, - wir wünschen Dir auch weiterhin ein gutes Händchen bei der Softwareentwicklung.

Dankefein :)

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