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Macht's gut und danke für all den Fisch!
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>

Anstelle der allausgabentliche Glosse gibts diesmal einen kleinen Nachruf gewürzt mit Selbstbeweihräucherung. Es ist Freitag Nacht, der Tag vor Drucklegung und das Titelbild ist immer noch nicht eingetroffen. Aus dem zum MP3 Player umfunktionierten Amiga CD32 dröhnt monotones Gedudel von Aphex Twins -- nebenan wird auf einer großen Leinwand Bladerunner geguckt. Was nicht mehr ins Editorial gepasst hat, findet seinen Platz hier, ein kleines, bedrucktes Stück Papier in den endlosen Weiten der Anonymität.

Den Gully habe ich liebgewonnen. Die sogenannte "Kunst aus dem Untergrund" an der U-Bahn Haltestelle am Königsplatz bereicherte so manche tristen Tage, wenn man an ihr vorüberging -- besonders, wenn man in Begleitung einer unaufgeklärten Person war, die sich dann schon etwas verwundert aufhorchte, woher wohl die plötzliche Geräuschkulisse gekommen sein mag.

Aber so, wie Phönix aus der Asche hervorgegangen ist, kehre auch ich letztendlich wieder zu ihr zurück, zurück in den Untergrund, mache somit Platz für diejenigen, die nach mir folgen werden und so das impulsiv weiter als das erhalten, was es zumindest für mich bedeutet hat: ein unzensiertes, kritsches Sprachrohr für die Studierenden, ein werbefreies Medium, unbeeinflusst von der Politik (die sowieso nur noch ein abgekartetes (Theater-)Spiel ist), aber dennoch geprägt vom individuellen Gusto der Redaktion, ein zuverlässiges Vehikel für äußerst lange und gewunde Sätze, die sich ins Gehirn brennen wie es TGI Vorlesungen es normalerweise nicht tun. Und auch kurze.

Denn nach der FVV, wenn sich der April dem Ende neigt, werde ich das, was seit Ausgabe 64 auch meinen Fingerabdruck trug, beiseite legen. Alles neu macht der Mai. Und sollten sich auf der FVV keine Nachfolgereferenten finden, werden die 15.000 Celluloseblätter wohl mit Musterlösungen oder langweiligen Skripten veredelt, in denen so viel Kreativität steckt, wie in einem Butterbrotpapier im Wald.

Wäre doch schade drum, oder?

Gerade weil die Gedanken so frei sind, ist es eine lohnenswerte Aufgabe, sie einzufangen und unsterblich auf ein Medium zu bannen, das auch von anderen gelesen wird. Jeder kann, wenn er will, auch ein wenig impulsiver sein. Niemand kann sagen, sie/er hätte dazu keine Chance gehabt.

Es war eine schöne Zeit, die einerseits zwar recht anstrengend war, andererseits einem viel Freude gemacht hat, auch wenn manchmal die Rückmeldungen und Einsendungen etwas zahlreicher gewesen hätten sein können. Dummerweise ist man nie zufrieden mit dem, was man bekommt. Und Nostalgie ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Im Grunde aber waren es die Artikelschreiber und Redakteure, die Grafiker und Drucker, sowie die Helfer und auch die fleißigen Korrekturleser, ohne die es wohl keine Ausgabe in eure Hände geschafft hätte. Vielen Dank an all diejenigen, die man leider oft übersieht. Dank gebührt natürlich auch den treuen Lesern für die Zeit, die sie mit dem impulsiv verbracht haben.

Die Zeit des Gauklers ist vorbei,
Verklungen Sang, Schnurrpfeiferei,
Verstummt die Laute,
die der Musikant noch in den Händen hält,
Der Tisch verwaist, die Gläser leer,
Das Fest ist aus. Es bleibt nichts mehr,
Als abzugeh'n, man sagt:
Der Narr ist traurig; wenn der Vorhang fällt.

Reinhard Mey


Die Gedanken an den Gully mögen unwichtig sein. Aber jeder kann aus der Kanalisation hervortreten. Es ist jetzt Samstag, 17 Uhr. Das impulsiv ist fertig. Zeit zu gehen. So long, and thanks for all the fish!

Chrisly

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