Der Stadteurotiker
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>
Na, das hatte ich mir aber anders vorgestellt. Am 7. Januar ist nur ganz knapp (zweifacher Mond-Erde-Abstand) ein größerer Asteroid an der Erde vorbeigeschrammt, den man wenige Tage zuvor (an meinem Geburtstag) entdeckt hatte. Gut, er hätte sicher nicht jegliches Leben ausgelöscht, trotzdem macht man sich schon ein paar Vanitas-Gedanken. Und wie peinlich das wohl gewesen wäre, wenn so kurz nach der Einführung des Euro-Münzgeldes, dieses sich wieder in eine klumpig-klebrige Masse zurückverwandelt hätte, mit dem man wohl kaum am nächsten Kondomautomaten bezahlen hätte können. Komisch ist es schon, dass zwar einige die Münzen als Spielgeld bezeichnen, der Großteil der Europäer das neue Zahlungsmittel aber mit einer solchen opportunistischen Euphorie umarmt haben, dass man fast an Hexerei denken möchte.
Zwar erwartet niemand, dass die Spanische Inquisition bei den Eurotikern einfällt[1], vorsichtig sein sollte man schon. Und wo man jetzt weiß, dass mindestens ein Viertel aller verbrannten Hexen männlich waren, ist auch das starke Geschlecht nicht mehr sicher. Seltsam erscheint einem auch, dass mit der Zeit den Frauen Intelligenz und Charme wichtiger als Schönheit wird (so eine Umfrage[2] mit 35.000 Frauen). Nein, nein, keine Angst, mir ist das natürlich auch viel wichtiger. Schön zu sehen, dass nur noch drei Prozent der Frauen sich für andere Leute hübsch machen.
Bevor ich jetzt mit langen, hasserfüllten E-MailIns von schlipsbetretenen FeministInnen bombadiert werde: Achtung, auf vielen Büroservern wird jetzt Firewallsoftware installiert, die die Mails auf Viren scannen, aber auch nebenbei unartige, schmutzige und schimpfwortlastige Mails blocken, diese automatisch an den Boss weiterleiten und so virtuelles Mobbing und Lästerlichkeiten verhindern sollen[3]. Naja, wenn der Chef nicht schon genügend Spam bekommt... Big Boss is watching you! Da sage noch einer einmal, ich sei paranoid! Alle anderen sind einfach nur unvorsichtig.
Oder dumm. Das beweist doch eindeutig die Pisa-Studie. Was erwartet man denn, wenn man die Schüler zwar tausend tolle Sachen beibringt, ihnen aber nicht erklärt, wie man selbst lernt und die Informationen in Wissen umsetzt. `Fakten, Fakten, Fakten!' bringen einem nichts, wenn man diese nicht interpretiert und vernetzt. Klar, schuld sind bestimmt auch die Medien, die die Jugendlichen vor der Flimmerkiste verblöden lassen (wissenschaftlich nachgewiesen), sowie diese ganzen Ego-Shooter und anderen Produktivitätskiller (nicht direkt nachgewiesen), die die Schüler davon abhalten, ihre Nasen lieber aus eigener Initiative in Bücher zu stecken. Die Lust am Lesen und am Kreativsein, das ist es, was zu den schlechten Ergebnissen geführt hat. Hauptsache, man kann den Lehrern die Schuld in die Schu(l/h)e schieben.
Da können ruhig amerikanische Mütter ihren erwachsenen Töchtern die Augen vor dem Anblick der kupfernen, aber völlig un(an)gezogenen Statuen in der Arcisstraße zuhalten. Ja, das gibts wirklich! Und nach fast 24 Stunden ohne Schlaf und impulsivem Gewerkel braucht man mir auch nicht mehr die Augen zudrücken.
Aber ich bin sehr froh, dass der Asteroid selbiges getan hat und ich den Euro (in) voller Blüte(n) genießen kann. Ja, jetzt habt ihr mich entlarvt: Ich bin bekennender und leidenschaftlicher Eurotiker. Schließlich ist es mein Geld.
Chrisly
[1] Nobody expects the Spanish Inquisition!
[2] http://www.3sat.de/nano/news/27673/index.html
[3] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/11436/1.html
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