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Der letzte Schrei!
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>

Kaum steht Halloween vor der Tür, greift die Angst wieder um sich: Tausende neue, wuselige Erstsemester, zu kleine Hörsäle, und der Skriptenverkauf hat auch noch nicht regelmäßig offen. Und wo bekomme ich jetzt das UNIX-Einführungsskript?

Kennt ihr das? Na dann herzlich Willkommen im Studium! Kindheit, Jugend und Schulzeit: All das liegt nun hinter euch. Nie wieder werdet ihr erfahren, was es bedeutet, unwissend, aber glücklich zu sein. Die Zeit wird kommen, da werdet ihr auf eure Studienzeit zurückblicken und euch wünschen, sie wäre nicht so schnell vorbeigegangen. Keine Angst, das dauert noch.

Etwas länger (nämlich 20 Jahre) ist es her, seitdem der erste IBM Personal Computer mit der Bezeichnung IBM 5150 in New York vorgestellt worden ist. Zwanzig Jahre sind computertechnisch ein wahnsinnig langer Zeitraum. Da müsste doch einiges passiert sein, oder? Man könnte sich zumindest wünschen, dass der PC besser geworden ist. Hm. Schneller? Klar, ein Trabbi mit einem Porschemotor. Benutzerfreundlicher? Nicht wirklich. Innovationen gab es schon lange nicht mehr oder haben sich nicht durchgesetzt. Man könnte verzweifeln, wie die armen Sekretärinnen, die oft genug erleben, dass der PC nicht das tut, was man will, sondern umgekehrt.

Na, wenigstens hat Wolfgang Ketterle, der 1986 an der TUM in Physik promoviert hat, vor ein paar Tagen (zusammen mit zwei anderen amerikanischen Kollegen) den Nobelpreis für seine Arbeiten am Bose-Einstein-Kondensat erhalten. Das ist doch ein Lichtblick, wenn auch nur ein schwacher, beachtet man, dass er für die Forschung in die USA ging. Von ihm stammt auch die Aussage, dass Quantenphysik, die ja inzwischen allgegenwärtig ist, ein Teil des allgemeinen Kulturguts werden sollte. Ich teile, neben dem Atom, auch diese Meinung: Jeder sollte in Zukunft wissen, dass man Quarkteilchen nicht nur in Bäckereien bekommt, und wieso man Katzen nicht in Kästen einsperren darf, wenn man im Sommer in den Urlaub fährt. Eine Utopie zwar, aber eine schöne.

Und die Mathematiker? Leider, leider gibt es für sie keine Nobelpreise (nicht einmal Nobel-Preiselbeeren). Aber wie es der Zufall so will, gibt es ab 2002 den Abel-Preis, der einen ähnlichen Stellenwert haben soll wie der gefragte Preis aus der Nobel-Stiftung. Also, hängt euch rein und werdet unsterblich.

Ist denn alles so im Argen, wie ich es hier schildere? Natürlich, man kann sich vier Stunden mit einem nicht konfliktfähigen Senator über öffentlich festgehaltene Aussagen seiner Konfliktfähigkeit streiten, ohne dass etwas dabei herauskommt.[1] Nicht nur die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sondern die ganze Realität selbst. Die Wirklichkeit wird zu dem, was wir denken.

Sei es nun im Studium oder im Privatleben: Angst vor der Zukunft darf man ruhig haben, wenn man keine Angst vor der Angst selbst hat (ah, ich liebe diese rekursiven Definitionen). Wer hinter den Spiegel getreten ist, wird hinter sich keine Gefahr mehr sehen. Und Fragen sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Keine Fehler machen zu wollen, wäre ein Fehler, denn Fehler im eigentlichen Sinne gibt es nicht, sondern sie sind allesamt Erfahrungen, die das Leben bereichern.[2] Wer jetzt immer noch nicht verwirrt ist, dem sage ich, dass alles, was ich sage, gelogen ist. Denkpause.

Zum Schluss noch eine Prise Dostojewski für ein erfolgreiches Leben:

"Alles ist gut... Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick..."

Chrisly

Drawing by Dagmar Beyer
Zeichnung von Dagmar Beyer

[1] Patrick Carl möge mir diesen Seitenhieb verzeihen, ohne wieder die anderen Fachschaften gegen MPI aufzuhetzen.
[2] Selbst dieses viel zu lange und unstrukturiere Editorial möchte ich dazu zählen.

©1997-2009 Chris Hodges. Last time updated on 02-Jun-09 12:10:53. Legal disclaimer, imprint.