Heute Abend das kleine Schwarze
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>
Steuern sparen und Tiere schützen. Na, das klingt doch nach edlen Zielen. Aber: Kondome schützen? Ja, wer kümmert sich um so etwas, wenn sogar die Internetuser einen heiligen Schutzpatron haben? Und Küchenschürzen -- die sind leider ganz out. Wenn Mann damit erwischt wird, kommt es runtergelassenen Hosen gleich.
Verzichten wir auf weitere flache Wortwitze als Neugierdewecker (auch morgens beliebt!) und gehen gleich in medias res: Unser "Präsi" ging bekanntermaßen durch die Medien. Und zwar zweifach! Der schwarze Kater Stoiber (natürlich nur politisch gesehen!) wollte uns unser liebes, treues, schwarzes (?) Schaf zum Ministerposten verführen. Moment mal! Ich kann doch nicht den Präsident als Schaf bezeichnen! Okay, dann eben als Kalb, das zur politischen Notschlachtung geführt wird. Denn jenes meinte selbst im nachhinein, dass als BSE-Minister bestimmt keine Lorbeeren zu ernten seien (Konjunktiv!).
Zum Glück bringt das heilige Finanzamt die Rettung, zwar nicht in Form einer Küchenschürze, aber mit ähnlicher Wirkung auf die Hose. Es gibt also doch einen "Präsipatron"! Nach diesem traumatischen Schock sind nun alle Studierenden in eine tiefe Unsicherheit gestürzt, besonders aber die Studentische Vertretung: Wer ist denn nun unser Präsident? Oh, ein Desaster! Ein zweites Waterloo! Eine Florida-Auszählung! Einzig die Juristen sehen das ganz gelassen: Durch eine Apotheose wird unserem Präsi ein göttlicher Atem eingehaucht -- "Er war ja nie weg!".
Vielleicht denkt jetzt der ein oder andere: Hat Herrmann doch Philosophie statt Chemie studiert? Oder woher kennt er sich so gut mit Jeremy Benthams Handlungsutilitarismus aus? Dieser nämlich "setzt das Prinzip der Nützlichkeit als ein moralisches Kriterium. [...] Nützlich im Sinne des Utilitarismus ist das, was dazu beiträgt, Glückserfahrung, Interessenbefriedigung und den Genuss eines lebenswerten Lebens zu ermöglichen, und die moralisch richtige Handlung ist eben die, die in diesem Sinne die jeweils nützlichste von allen möglichen ist."[1] Nein, das kommt irgendwie nicht ganz hin oder? Aber es gibt etwas ähnliches, das man Opportunismus nennt. Im Volksmund heißt es trivialerweise Politik.
Die wird teilweise auch von der Studentischen Vertretung beherrscht (Platon zum Trotze, der meint, dass Politiker auch Philosophen sein sollten). Da wird mit einem Verhältnis von etwa[2] 60% Ja zu 40% Nein für einen Antrag gestimmt und im Antragstext steht dann etwas von einem "klaren Meinungsbild". Von Solidarität kann man allerdings schon sprechen, da man sich mit diesem Antrag ähnlich lächerlich gemacht hat wie Herrmann in den Medien. Worum es ging? Die Abwahl des amtierenden Präsidenten. Denn um ihn moralisch zu festigen, ist das die "demokratischte Möglichkeit" (man achte auf den superlativ). Ich wusste es: Die Mensa hat doch 60% BSE-Fleisch verkocht.
Vielleicht sollten sich alle Beteiligten mal an der Nase packen und ein paar von den Küchenschürzen aus der Mensa besorgen. Denn die schützen zumindest davor, sich mit fragwürdigem Ruhm zu bekleckern. Für die anderen: Heute Abend das kleine Schwarze.
Chrisly

[1] Birnbacher, D. (Hrsg): Texte zur Ethik, S. 198
[2] Ich wollte die genauen Werte noch nachsehen, aber selbst nach
mehrfachem Fragen konnte ich keinen Einblick in das öffentliche Protokoll
zu erhalten.
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