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Expect Nothing
Bericht von der Mekka Symposium 2000

Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>

Wie jedes Jahr an Ostern fand auch diesmal die Mekka Symposium in Fallingbostel vom 21.04. bis 24.04. statt, eine sogenannte Szene-Party, bei der sich rund 1.000 Freaks, Coder, Grafiker, Musiker, kurz gesagt eben Szener treffen, um bei sog. Competitions ihr Können unter Beweis zu stellen und soziale Kontakte zu pflegen. Ob die MS auch dieses Jahr wieder ihrem Ruf gerecht wird, eine der letzten Parties zu sein, die nicht zu einer LAN/Quake/Spiele-Party mutiert sind, könnt Ihr in diesem Bericht nachlesen.

Expect Nothing...

...lautete diesmal das Motto der Mekka und vielleicht stand diese dunkle Wolke bereits von Anfang an am Himmel über Fallingbostel (für diejenigen, die Erdkunde bereits nach der 10. Klasse abgelegt haben, das liegt auf halben Weg zwischen Hannover und Hamburg) als wir acht uns morgens mit drei Autos auf den Weg machten (letztes Jahr noch zu fünft in einem Auto -- mit 6 Rechnern und Monitoren!) -- etwas zu spät, wie sich herausstellte, als wir gegen 19 Uhr die überfüllte Halle betraten, um verzweifelt Plätze für uns und unsere Rechner zu suchen. Der Eintrittspreis lag mit DM 70,- noch etwas höher als letztes Jahr, aber zumindest die auf solchen Veranstaltungen generell in der Minderheit befindlichen weiblichen Wesen wurden kostenlos aufgenommen. Bereits am Eingang traf man schon auf einige Komillitonen aus der TUM, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Nach einer halben Stunde hatten wir alle unsere Rechner 'up and running'.

Events

Nach der Eröffnungszeremonie gab der Erfinder der SID-Station, eines MIDI-fähigen Analog-Synthesizers, in dem vier C64 Soundchips (SIDs) werkeln, sein Debut auf der Bühne. Für weitere Live-Musik sorgten auch "Welle:Erdball'' (die u.a. SID-Sounds verwenden) und die Band "Local Zer0es". Größter Publikumsmagnet war der Live-Strip, gesponsort von den Organisatoren der Radwar-Party im Mai. Auf den früheren Mekkas gabs sog. Cola crushing: ein Wettbewerb, bei dem man möglichst schnell 1l Cola trinken mußte (der Rekord liegt bei etwa 45 Sekunden); dieses Jahr mußte man hingegen einen sehr appettitlichen halben Liter Wurstwasser hinunterwürgen -- wenns schee macht...

Competitions

Geistig umnachtet -- anders kann man den Zustand der Compo-Crew nicht erklären, als sie die vormals nach 4-Kanal und Multichannel getrennten Musikwettbewerbe durcheinanderwürfelten und daraus eine "Progressive Music", "Alternative Music" und "MP3-Compo" machten. Klar, daß dann ein Musikstück, daß nur vier Stimmen benutzt zwangsläufig keine Chance mehr hat. Wieviel Sinn eine Compo für Musik im MP3-Format macht, sei mal in den Raum gestellt. Zumindest waren jedoch die gespielten Stücke qualitätiv sehr hochwertig und hörenswert, im Gegensatz zur "Party 9" letztes Jahr in Dänemark.

Natürlich gab es auch wieder Grafikwettbewerbe der Kategorien "Pixel Gfx" (also per Hand am Bildschirm gemalte Grafiken), "Alternative Gfx" (Raytracing, Scans etc.) und "C64 Gfx" (Grafiken gepixelt und dargestellt auf einem C64). Hier gab es einige bemerkenswerte Entries und auch die C64-Grafiken beeindruckten wieder einmal.

Und nun zu den Demo-Compos. Demos sind multimediale Präsentationen, die zeigen sollen, was man aus dem Rechner so alles herausholen kann. Dazu werden meist allerhand visueller Effekte auf den Bildschirm gezaubert und mit einer passenden Musik untermalt. Sog. Intros sind kleine Demos, meistens nur mit wenigen Effekten. Kategorien waren "Amiga Demo", "C64 Demo", "PC Demo", "Playstation Demo" und "Wild Demo", sowie "Amiga 64K Intro", "PC 64K Intro", "Amiga 4K Intro", "PC 4K Intro" und "C64 4K Intro". Dieses Jahr gab es leider wenig Innovatives, einzig die C64 Demos und Intros konnten die meisten Leute begeistern -- Wahnsinn, was man aus einem 8-Bit Rechner mit weniger als 1MHz und geringen Grafikfähigkeiten noch herausholen kann. Am PC beschränkte man sich vorwiegend mit dem Abspielen komplexer 3D Szenen, die meist trotz massiver Rechenleistung (Pentium2@400MHz) nur vor sich hin ruckelten.

Als Highlight stellte sich die 32K Game Compo heraus, bei der man (egal auf welcher Rechnerplattform) ein komplettes Spiel mit nicht mehr als 32 KB präsentieren mußte. Der Gewinner war ein aufwendiger und sehr beeindruckender Turrican-Clone am PC, der zweite Platz ging an ein 3D-Pong Spiel und den dritten Platz belegte ein Puzzle Bobble-Clone am Amiga.

Preise

Leider muß man sagen, daß die Gewinner einiger Compos sehr schlecht weg kamen. Oft gab es nur 150/100/50 DM für die Plätze 1-3 (was kaum Reisekosten und Eintritt deckt), im Gegensatz z.B. zu der PC Demo Compo mit DM 1.000 DM und 3*Flugtickets im Wert von DM 1.500 für den 1. Platz. Oftmals wurden dann noch Sponsorpreise verteilt, mit denen die Empfänger nicht anfangen konnten (z.B. einen C64 für den Gewinner MP3-Compo, AmigaOS 3.5 für PC-User etc.).

Fazit

9 Stunden Schlaf insgesamt, ein kaputter Monitor (wie jedes Jahr), den zweiten Platz bei der 4K Amiga Intro Compo, ein nicht gezeigtes Fast-Intro und kaputte Füße (?). Zumindest gab es keine größeren technischen Probleme (z.B. Stromausfälle) und die Anzahl an Spielern hielt sich in Grenzen, auch wenn es für meinen Geschmack viel zu viele PC-User gab, die nur daran interessiert waren, sich die die Platte mit MP3s vollzuladen. Aber die guten alten Szene-Zeiten sind wohl vorbei und für mich war es wohl auch das letzte Mal, daß ich nach Fallingbostel gereist bin. "Expect Nothing"? Etwas mehr hätte man wirklich erwarten können.

Zum Schluß noch ein paar Quellen:
Homepage der Mekka Symposium: http://ms.demo.org/
Binaries der Competitions: ftp://ftp.scene.org/

Chrisly

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