Betong Asna
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>
Man nehme ein wässriges Thema, gieße etwas ungelöschten Kalk hinzu und
lasse das ganze konkret werden. Was dabei rauskommt? Beton. Ja, einige
KommilitonInnen kommen zu uns in die Fachschaft und fordern, den Königsplatz
endlich betonieren zu lassen (ohne dabei auf dessen Vergangenheit anspielen zu
wollen). Jeder, der sich schonmal gefragt hat, wie
sich der malträtierte Rasen wohl jemals regenerieren soll, mußte sicher
schon feststellen, daß er das einfach nicht tut, sondern sich bei Regen in
eine Schlammwüste verwandelt und dann zu trockenem porösem Dreck erstarrt.
Jeden Tag überlege ich mir, ob ich nicht vielleicht doch den Kiesweg nehme,
aber dann sind es ja doch immerhin 29.28933% Weg, die man durch die
Diagonale einsparen kann.
Wenn wir erstmal in Garching draußen sind, dann hat sich das alles sowieso erledigt. Sicher werden wir dann mehr auf unsere Gesundheit achten und Di"at halten, denn wer nimmt schon gerne einen 30-minütigen Fußmarsch zur Mensa in Kauf, besonders die Hörer der Vorlesung "Lineare Optimierung" werden hier das Rechnen anfangen. Auch die Datenkompressionsexperten werden sich überlegen, wie man wohl all die neuen InformatikerInnen in Garching unterbringen soll, da der ganze Bau für ca. 900 StudentInnen geplant war. Und auch das LRZ möchte aus dem asbestverseuchten Südbau fliehen.
Bei all diesem Aufbau macht es nichts, daß die letzten drei Grashalme der Geographie auf zwei gestutzt werden (Wer erinnert sich an die Unterschriftenaktion des AStA?) und damit nicht mehr überlebensfähig sind. Dafür gießen wir den Binärbaum der Informatik und lassen fünf weitere Blätter wachsen. Gegen diesen grünen Daumen kann selbst die Green Card nichts ausrichten.
Apropos Green Card: Bei der Wahl zwischen Kindern und meiner halben Inderschaft zieht sie mich doch deutlich vor. Wenn ich mir überlege, daß man in anderen Ländern deutlich mehr verdient und ich hier sowieso nicht erwünscht bin, wieso sollte ich dann hier bleiben? Bei der derzeitigen Attraktivität Deutschlands würde es auch reichen, 100 Green Cards auszustellen.
Kommen wir nun zu etwas völlig anderem. Gerade haben wir Ostern hinter uns gebracht, doch im Jahr der Physik kann man bei dieser nicht vom Gelben vom Ei sprechen. Zwar wird kräftig am Reaktor betoniert, gleichzeitig aber die Lehrstühle für dessen Forschung abgebaut. Die Frage, ob (Atom-)Ei oder Henne zuerst da war, ist damit relativiert. Viel wichtiger ist wohl eher: gibt es eine Koexistenz oder was überlebt länger?
Was lernen wir daraus? Wenn man einen Rasen anlegt, sollte man auch den Zaun nicht vergessen. Und: Das Studium ist eine recht kurzfristige Angelegenheit: Die Menschen entwerfen und bauen und wenn es fertig ist, paßt es nicht mehr. Im Schwedischen sagt man dafür auch "Betong Asna", was soviel heißt wie Beton Esel. Drei Groschen für meine Gedanken:
Chrisly
©1997-2009 Chris Hodges. Last time updated on 02-Jun-09 12:11:15. Legal disclaimer, imprint.