An die Amiga-Gemeinde
Reaktion auf ein Statement von Tom Schmidt
Autor: Chris Hodges <chrisly-at-platon42-dot-de>
Danke für Eure jahrelange Unterstützung und Loyalität gegenüber Amiga. Aber nun bin ich hier um Euch ein für alle mal klarzumachen, daß in der Industrie kein Platz für den "Geist des Amigas" ist.
In den letzten paar Wochen haben tausende eMails und Nachrichten von blinden Lemmingen meine In-Box verstopft, die sich viel zu viele Sorgen über die Zukunft des Amiga machen, weil sie die Geschehnisse bei Amiga Inc. vielleicht doch richtig zu deuten wissen. Ich war sichtlich genervt und habe diese Mails natürlich ungelesen gelöscht. Eure Meinung ist völlig irrelevant, der Pfad ist doch sowieso schon längst eingeschlagen.
Fakt ist... um J.M. Straczynski zu zitieren "Viel schwerwiegender als der Tod der körperlichen Materie, ist der Tod der Hoffung, der Tod der Träume. Und vor dieser Gefahr dürfen wir niemals kapitulieren." In dieser Hinsicht sind die Amigianer tatsächlich nicht tot zu kriegen -- nein im Gegenteil: Gerade nach meinen vernichtendem Executive Update scheint sich mehr und mehr Energie in Projekten wie AQUA/Amino oder Phoenix zu konzentrieren. Ich empfinde das mehr als verwirrend, habe ich ja noch nie einen Amiga besessen oder damit gearbeitet.
Beim Amiga ging es -- und da müßt ihr mir zustimmen -- niemals um ein Computersystem. Es ging nicht darum, daß das Arbeiten am Amiga effizient war und Spaß gemacht hat. Nein, die Amiga-Gemeinde war schon immer eine Gruppe illusionierter, präpubertärer Fratzen, die eigentlich nur aus Trotz immer wieder behauptet hatte, "Mein Computer ist besser als deiner!". Amiga-User hofften, die Welt zu verbessern. Tja, leider kommt ihnen da immer wieder was in die Quere, oder? Warum? Weil der Amiga niemals allgegenwärtig wurde.
Das werde ich jetzt ändern. Der Amiga wird in Zukunft als Plug-In existieren. Ja, ich weiß, vielleicht glaubt ihr vor ein paar Wochen noch andere Pläne gelesen zu haben, keine Angst, das waren nur Halluzinationen. Ich selbst habe nie diese Pläne gelesen.
Kein OS mehr, keine Hardware, man braucht nichts selbst zu entwickeln, nein, man wird in Zukunft die Gurumeditationen sogar auf Digital-Uhren bekommen können! Ich persönlich bin schon sehr begeistert! Amiga als Applikation in jeder Mikrowelle. "Amiga for Windows"... denkt darüber nach.
Amiga und sein revolutionärer Geister verdienen nichts besseres als das. Es ist ein neuer Mega-Trend und Amiga wird an vorderster Front dieser nächsten großen Kampfeinheit in der Computergeschichte stehen -- und von verräterischen Söldnern wie mir erschossen werden. Dafür haben wir uns entschieden, als wir von einer ziemlich großen Firma eine nicht unerhebliche Bestechungssumme kassiert haben.
Also: Lang lebe Amiga, aber wenn Ihr denkt, daß derjenige, der Amiga besitzt, ihn auch vernichten kann, dann habt ihr die Vergangenheit nicht verstanden. Bei Amiga Inc. geht es um einen profitableren Weg. In den kommenden Monaten, versprochen, werden wir Euch über Fortschritte bei der Zerstörung des leblosen Amiga-Körpers auf dem Laufenden halten, und wenn Ihr uns nicht weiter unterstützen wollt: bei Gateway kann man auf die alte Userbasis verzichten -- ein paar neue Dumme werden schon drauf reinfallen.
Amiga Inc. kann die Industrie nicht revolutionieren und die Welt verändern. Dazu braucht es Visionäre.
Lang lebe Amiga Inc.,
Thomas J. Schmidt,
President & C.E.O.
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Chris Hodges, 31. September 1999
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